Brigada Beč ist ein Zusammenschluss von rechtsextremen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Altersspanne reicht von 16 bis ca. 25 Jahre. Der Kern besteht lediglich aus etwa 10 Personen. Die Personen sind hauptsächlich in Wien aufgewachsen und beziehen sich in ihrem Aktivismus auf serbischen Nationalismus.
Die Gruppe ist über einem Jahr aktiv. Dies beinhaltet gemeinsamens posieren für Fotos mit Bannern und Spruchbändern mit nationalistischen Botschaften. Diese Inhalte wurden meist in rechtsextremen Telegramgruppen geteilt und veröffentlicht.
Bei der Sommerdemo der „Identitären“ 2025 nahm die Gruppe bereits als solche sichtbar teil. Seit Herbst 2025 sind vermehrt Aktivitäten zu beobachten, das zeigt sich durch Tags und Sticker vor allem im 15. und 16. Bezirk. Dabei werden serbisch-nationalistische Botschaften und Sticker in mehreren Grätzeln angebracht.
Die Inhalte sind eindeutig: So wurde etwa ein Stencil mit dem Gesicht von Ratko Mladić (1) auf Häuserwände gesprüht. Weiters beliebt sind Symbole wie das serbische nationalistische Kreuz (2), Graffito des nationalistischen „serbischen Grußes“ – 3 Finger-Gruß (3) und Sticker mit Verherrlichung von Četnik-Einheiten (4).
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Brigada Beč – Logo
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Brigada Beč mit Banner vom Gruppen Logo und Banner mit dem Bild des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić beim Wasserball-Spiel Serbien gegen Niederlande am 10.01.26
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Graffito: Kreuz mit vier C – Само слога Србина спасава; deutsch: Nur Eintracht rettet den Serben – daneben das Gesicht von Ratko Mladić – in Wien 1160
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Graffito des nationalistischen „serbischen Grußes“ – 3 Finger-Grüuß in Wien 1150
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Graffito: Бригада Беч (dt: Brigade Wien) – Wien 1160
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Sticker mit Verherrlichung von Četnik-Einheiten in Wien 1160
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Graffito: Косово је Србија (dt: Kosovo ist Serbien) in Wien 1160
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Graffito: Kreuz mit vier C – Само слога Србина спасава; deutsch Nur Eintracht rettet den Serben – Wien 1160
Brigada Beč ist mit anderen rechtsextremen Gruppen in Wien wie Tanzbrigade Wien oder Division Wien eng vernetzt und es gibt personelle Überschneidungen.
Die Gruppe hat außerdem aktive Kontakte nach Serbien. Immer wieder finden Vernetzungstreffen in Serbien statt, bei denen sich Mitglieder von Brigada Beč mit rechtsextremen Organisationen vor Ort austauschen.
Der bisherige Höhepunkt ihrer Aktivitäten in Wien war der Angriff auf die Pankahyttn am 12. Februar 2026. Diesen Angriff verbreiten sie über ein Video (5) auf ihrem Instagram-Account.
Im Laufe des vergangenen Jahres ist eine zunehmende Präsenz und Aktivität der Gruppe zu beobachten. Es erscheint daher wichtig, diese Struktur weiterhin aufmerksam zu beobachten und ihr als antifaschistische Bewegung Grenzen aufzuzeigen.
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Cedomir Aleksijevic
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Mihajlo Pantic
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Milan Gavric
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Nikola Mladenovic
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Ivan Dmitrović
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Unbekannt
Als radikale Linke sehen wir verschiedene Sprachen, Erfahrungen und Identitäten in einer Stadt für alle als bereichernd. Es ist nicht zuletzt deswegen auch notwendig, sich mit den verschiedenen chauvinistischen und rassistischen Bewegungen zu befassen, unabhängig davon, wo deren ideologische Ursprünge und Bezugspunkte liegen.
In Wien beschäftigt sich die radikale Linke primär mit chauvenstistischen, rassistischen deutsch-nationalen Gruppen oder rechtsextremen Gruppen, die mit der Idee einer österreichischen Nation arbeiten. Rechtsextreme Ideologien, welche auf anderen nationalen Erzählungen beruhen, finden kaum Beachtung, erstarken allerdings zunehmend, wie anhand von Brigada Beč ersichtlich. Deshalb ist eine Auseinandersetzung mit u.a. serbischen, türkischen oder kroatischen rechtsextremen Strukturen sowie deren Vernetzung und Organisierung unverzichtbar.
Ein Beispiel für eine gelungene Auseinandersetzung ist jene mit dem in Bleiburg/Pliberk (Kärnten/Koroška) bis 2020 stattfindende Treffen von kroatischen Nationalist:innen und Anhängern des faschistischen Ustascha-Staats. Über Jahrzehnte blieb dieses von der breiten Gesellschaft wie auch der radikalen Linken bzw. antifaschistischen Bewegung unbeachtet, wozu wohl Sprachhürden und Desinteresse für die Geschichte des Balkans beitrugen. Eine antifaschistische Kampagne ab ca. 2015 rückte das Treffen, seine Hintergründe, Ideologien und Strukturen in den Fokus, was schlussendlich zum Verbot des Treffens führte. (6)
Mehr zum Thema findest du u.a. in der Broschüre „Just another tag on the wall?“ Hier gibt es einen guten Überblick über Nationalismen im ehemaligen Jugoslawien (S.89) und nationalistischen Symbolen, die auf den Straßen Wiens auftauchen. Download der Broschüre: https://antifa15.noblogs.org/files/2017/07/Justanothertag_Einzelseiten-Kopie.pdf
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1) ein ehemaliger bosnisch-serbischer General und verurteilter Kriegsverbrecher, der von 1992 bis 1996 als Oberbefehlshaber der Vojska Republike Srpske agierte. Ihm werden zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs zur Last gelegt, darunter die knapp vierjährige Belagerung von Sarajevo und das Massaker von Srebrenica im Juli 1995,
2) Kreuz mit vier C – Само слога Србина спасава; deutsch Nur Eintracht rettet den Serben
3) Als Drei-Finger-Gruß (serbisch Поздрав са три прста Pozdrav sa tri prsta) oder auch serbischer Gruß (Српски поздрав/Srpski pozdrav) wird eine Geste der rechten Hand bezeichnet, bei welcher der Daumen, Zeige- und Mittelfinger gestreckt sowie der Ringfinger und kleine Finger gebeugt werden. Gilt als Erkennungszeichen unter Serb*innen. Verstärktes Aufkommen seit hegemonialer nationalistischer Bewegung in Serbien seit den Anfang 90er Jahren.
4) Angehörigen von nationalistischen und antikommunistischen serbischen bzw. montenegrinischen Milizen
5) Parolen im Video: Im Video werden drei Sätze eingeblendet: „U ovoj zgradi žive antifa zečevi“ (de: in diesem Gebäude leben Antifa-Hasen), „hajde malo da je očistimo“ (de: kommt – räumen wir es etwas auf) und
„U ovom gradu vlada srbska [sic!] ruka“ (de: In dieser Stadt herrscht die serbische Hand)
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