„Identitäre Infrastruktur“

Die “Identitären” haben 2016 in den Regionen in denen sie am stärksten vertreten sind ihre Infrastruktur massiv ausgebaut. Die neofaschistische Gruppierung hätte diesen Ausbau niemals ohne die Hilfe der “alten Rechten” geschafft und das zeigt einmal mehr die engen Verbindungen zwischen der vermeintlichen “neuen Rechten” und dem völkisch-nationalistischen Sumpf.

“Machen die jetzt auf CasaPound oder was?!”

Zugegebenermaßen war das unser erster Gedanke, als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass in Graz das “erste identitäre Zentrum” eröffnet wurde.
Das “Hackher-Zentrum” in der Schönaugasse 102a/2 dient der steirischen Gruppe als Raum für Tagungen, Besprechungen, als Materiallager und Sitz für einen neu angemeldeten Verein.
Im September folgte dann das “Khevenhüller-Zentrum” in Linz. Hier wird bekanntgegeben, dass über einen “günstigen Vermieter” der perfekte Ort für “gesellige Veranstaltungen”, Lesekreise und Vorträge gefunden wurde.

Wir haben schnell gemerkt, dass der CasaPound-Vergleich ziemlich hinkt. Denn statt neofaschistischer Selbstverwaltung sind die, von den “Identitären” als Zentren der “Gegenkultur” postulierten Räumlichkeiten, nicht mehr als der peinliche Versuch den alten Buden einen neuen Anstrich zu verpassen.
Je genauer die Häuser der “autonomen PatriotInnen” unter die Lupe genommen werden, desto klarer wird, dass davon nur ein günstiger Mietvertrag beim Burschenschafter von nebenan übrig bleibt.

Unsere Genoss*innen aus Graz und eine Recherche-Plattform aus Oberösterreich haben sich die Räume der “Identitären” in den Bundesländern bereits genauer angeschaut und festgestellt, dass sowohl in Graz, als auch in Linz völkische Burschenschaften unmittelbar in deren Vermietung involviert sind. In Graz ist es der rechtsextreme Burschenschafter Heinrich Sickl als Einzelperson, der das Objekt in der Schönaugasse 102a/2 vermietet[1] und in Linz kommen die “Identitären” bei ihren Kameraden der Arminia Czernowitz, ebenfalls eine rechtsextreme Burschenschaft, unter.[2] Wie es in Österreich üblich ist, ist auch der parlamentarische Rechtsextremismus in Form der FPÖ involviert. So ist zum Beispiel der Grazer Vermieter Sickl führendes Mitglied im Freiheitlichen Akademikerverband (FAV), der immer wieder gerne Identitäre als Referenten einlädt. In Linz wiederum besteht gut ein Viertel der lokalen FPÖ-Fraktion aus Arminen.[3]

Das in Wien kein offizielles Zentrum existiert, könnte daran liegen, dass die Albertgasse 51 schon seit der Gründung der “Identitären” ein Fixpunkt ihrer Infrastruktur ist und deshalb keiner zusätzlichen Aufmerksamkeit bedarf.
Die Liegenschaft ist seit 2013 organisatorischer Ausgangspunkt der Gruppe.
Es werden von dort Infomaterialien und Plakatständer zu den Stammtisch-Locations gebracht und es dient als gemeinsamer Treffpunkt für gesammelte Abfahrten zu Aktionen.
Seit der nächtlichen Spontandemonstration, die dort nach dem misslungenen Aufmarsch der rechtsextremen Gruppe am 11. Juni startete, dürfte das Haus im 8. Bezirk auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sein.

Die Albertgasse 51 dient drei verschiedenen Vereinen als Sitz. Darunter zwei völkische Burschenschaften und der Johannes Schober-Studentenhilfsverein, bzw. ein Wohnheim in welchem mindestens 5 Identitäre wohnen.[4]
Bei den beiden Burschenschaften handelt es sich einerseits um die Jägerschaft Silvania, die zum Beispiel Jörg Haider und einen Südtirol-Terroristen als Mitglieder zählte[5] und andererseits um die Universitäts-Sängerschaft Barden, welcher aktuell mindestens 4 Kader der Identitären angehören.[6]
Ein Blick auf das Schoberheim ist in Bezug auf die Identitären Verbandelungen nicht weniger spannend.
Im ZVR-Auszug des Wohnheims scheint Martin Rieger, ein weiterer Identitärer (hier bei ihrer Demo im letzten Jahr), als Schriftführer des Vereins auf. Über das Kontaktformular der Homepage des Heims, auf der übrigens kein Wort über die dort ansäßigen Burschenschaften zu lesen ist, meldet sich ein gewisser Christoph Haberberger, ebenfalls Identitärer, als Heimleiter zurück.
Der Grundbuch-Auszug des Hauses verrät, dass es seit 1924 im Besitz der Bau- und Wohnungsgenossenschaft Albertgasse ist. Dessen Vorstand besteht aus Dr. Ferdinand Maderthaner, seines Zeichens Ehrenbursche bei den Barden und Dr. Bernd Dietl, Obmann des Johannes Schober-Studentenhilfsvereins.

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Es zeigt sich also wieder einmal mehr als deutlich, dass die Identitären kräftig auf Starthilfe ihrer Kameraden aus dem braun-blauen Sumpf angewiesen sind. Ohne die Unterstützung von rechtsextremen Burschenschaften, welche bekanntermaßen das akademische Rückgrat der FPÖ sind, hätten die Identitären bei weitem nicht das Ausmaß an Infrastruktur, dass ihnen zur Zeit zur Verfügung steht.
Interessant wäre in dieser Hinsicht ein Blick auf das Konto der neofaschistischen Gruppe. Ende des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass die Identitären in Österreich eine Spende in Höhe von 10.000€ von der rechten Crowd-Founding Initiative Ein Prozent für unser Land erhalten haben. Chef der Initiative ist Philip Stein[7], rechtsextremer Burschenschafter aus Marburg. Die Liste der weiteren Spender aus Kreisen von Burschenschaften und FPÖ dürfte lang sein und das instrumentelle Verhältnis zwischen ihnen und den Identitären stellt sich bei aller ideologischen Differenz im Augenblick als Win-Win-Situation dar. Der Kampf für die Volksgemeinschaft ist ihr kleinster gemeinsamer Nenner. Die einen treten den Kampf im Parlament an und die anderen versuchen es auf der Straße.

Am treffendsten beschreibt es Martin Sellner, Kopf der Identitären, selbst.
In einem Beitrag des rechtsextremen Magazins Aula, vom Dezember des letzten Jahres redet er von der Arbeitsteilung im patriotischen Lager und kommt dabei nicht ohne rassistischen Vergleich aus:

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Aus: AULA 12/2015

[1] https://recherchegraz.noblogs.org/post/2016/10/15/heinrich-sickl/

[2] http://www.dahamist.at/index.php/2016/09/27/arminia-czernowitz-zu-linz/

[3] https://bawekoll.wordpress.com/2013/04/10/die-fpo-czernowitz/

[4] http://recherchewien.nordost.mobi/2015/12/tuerchen-nr-8-identitaere-wohngemeinschaft/

[5] http://www.stopptdierechten.at/2016/07/26/sommerserie-volkische-studentenverbindungen-in-wien-4/

[6] http://www.doew.at/erkennen/rechtsextremismus/neues-von-ganz-rechts/archiv/september-2016/identitaere-burschen

[7] https://noeflinz.noblogs.org/rednerinnen/philip-stein/

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